Ich möchte diesen Text mit einem Zitat beginnen:
(Die Linke Liste) versteht sich durchaus nicht als eine Vertretungsinstanz gleichsam ständischer Interessen, sondern als ein Teil jener Bewegung – so schwach sie gegenwärtig auch sein mag – die das Ganze will. Nämlich die Beseitigung jener knechtenden und verdummenden Verhältnisse, die wir mit Fug als Imperialismus etikettieren dürfen, zugunsten des Aufbaus der zu den schönsten Hoffnungen berechtigenden Form gesellschaftlichen Zusammenlebens, die schlicht den Namen Sozialismus trägt. Diesen Text habe ich der
Wahlzeitung des Studierendenparlaments (PDF) an der Uni Trier zur Wahl 2009 entnommen. Er stammt aus der
Präambel (hört, hört!) der Selbstdarstellung der Linken Liste. Offenbar fühlt man sich dort zu etwas höherem berufen, zumindest was die deutsche Sprache betrifft. Nobody's perfect, aber es gibt ein schönes Buch, das auf den Namen "Deutsch fürs Leben" hört und von Wolf Schneider geschrieben wurde. Darin wird unter anderem erläutert, wieso ein guter Text keine 3 Nebensätze pro Satz haben muss.
Dann braucht der Leser den Text auch nur einmal zu lesen statt dreimal.
Es formuliert weiter:
Gleichwohl anerkennen wir die Berechtigung spezifischer Probleme an den Hochschulen, deren Misere struktureller Art ist und mit dem zusammenhängen, was wir in den Orkus jagen wollen. Das wiederum finde ich bedenklich. Wie kann es sein, dass sie die
Berechtigung der Probleme anerkennen? Damit stehen sie ziemlich alleine da. Oder ist der Nebensatzkönig hier vielleicht über seine eigene Grammatik gestolpert?
Wenn die so verquer denken, wie sie schreiben, würde das einiges erklären. Damit kommen wir von der formellen zur inhaltlichen Kritik:
Mal ehrlich, liebe KommunistenSozialisten, glaubt ihr den Scheiß wirklich, den ihr da schreibt? Aus dem zweiten Abschnitt, in dem der Schreiberling aufzeigt, dass er
voll den Überblick hat, er nennt das "Grundlegung und Gesamtzusammenhang":
Schlagworte wie „Globalisierung“ oder „Standort Deutschland“ sollen einschüchtern und gefügig machen, während das deutsche Monopolkapital als wiederholter „Exportweltmeister“ selbst der größte Gewinner im „internationalen Wettbewerb“ ist. Alles klar, wer hat sich nicht auch schonmal beim Gedanken an den "Standort Deutschland" eingeschüchtert gefühlt? Und seit ich von der "Globalisierung" erfahren habe, traue ich mich schon kaum mehr vor die Tür.
Die Forderung nach einer demokratischen Hochschule muss den gleichberechtigten Zugang für Frauen an alle Hochschulen, Fachbereiche und Studiengänge beinhalten. Hachja, wer kennt sie nicht, die Studienfächer in denen Frauen auch heute noch nicht gerne gesehen werden. Welche waren's noch gleich...?
Und auch wenn es für unsere lustige linke Liste schwer zu verdauen ist: Auch in dem Studiengang mit der niedrigsten Frauenquote an unserer Uni überhaupt - Informatik! - werden Frauen gerne gesehen. Vielleicht wollen sie es einfach nicht studieren.
Und schließlich gibt es auch konkrete
Forderungen. Während eigentlich niemand bestreitet, dass die Unis mehr Geld brauchen, formuliert es die Linke so:
Die öffentliche Hochschulbildung muß mit erhöhtem Geldzufluss versehen werden Jo. Einen längeren Satz kann man daraus wohl kaum bilden. Für die nächste Wahlzeitung ist es vielleicht ratsam, ein bisschen weniger wie Marx zu schreiben und vielleicht auch ein bisschen weniger zu rauchen beim Tippen.
Ich möchte an dieser Stelle den geneigten Leser auffordern, einfach mal selbst
den Text (Seite 10 im PDF) durchzulesen, sofern das möglich ist (und er nicht schon bei der Hälfte lachend zusammenbricht). Wahrscheinlich beschleicht ihn genauso wie mich das Gefühl, dass die Linke Liste mit ihrer Forderung nach
dem Ganzen (s. Präambel) etwas überfordert ist.
Aber wer will schon weniger als das Ganze?