Scheinbar hat es seit Neujahr recht unerwartet einige
Jahr-2010-Fehler gegeben. Teilweise lags an fest programmierten Grenzwerten, teilweise gabs seitens der IT Irritationen, ob es jetzt 2010 ist oder nicht doch schon 2016.
Und natürlich sind
mal wieder die Informatiker schuld. Aber das ist in Ordnung, schließlich müssen wir gelegentlich auch demonstrieren, dass unser Plan, die Weltherrschaft an uns zu reißen, mehr und mehr Realität wird.
Um nochmal -- der Gegenüberstellung wegen -- kurz auf ein älteres Thema zurückzukommen, nämlich die
unverschlüsselte Übertragung von Videodaten bei US-Kampfdrohnen: Eigentlich ist das die Art von Fehlern, die personelle Konsequenzen nach sich ziehen sollte. Nicht die Art von personellen Konsequenzen, die Parteien und parteiische für Verteidigungsminister fordern, die zum Zeitpunkt der Geschehnisse noch gar keine solchen waren. Sondern die Art von personellen Konsequenzen, die dafür sorgen, dass so ein Fehler nicht nochmal passiert.
Kommen wir also von einem kapitalen Fehler zu einem Fehler der Kapital betrifft: Den
Jahr-2010-Bug einiger Bankkarten, den ich ganz anders bewerte als die Drohnenproblematik.
Man hört allerorten Aussagen ähnlich wie in diesem Zitat
aus einem Spiegel-Artikel:
"Die Geldinstitute hätten die Karten doch testen müssen", sagt Finanzexperte Reifner: "Das sind Primitivfehler." Woher weiß der Mensch das? Ich stelle einfach mal die kaum gewagte Theorie auf, dass er noch nie selbst einen Chip für eine solche Karte programmiert hat. Auch in der Qualitätssicherung, die solche Fehler vermeiden sollte, hat er vermutlich noch nicht gearbeitet. Wie will er also wissen, ob es ein Fehler der Kategorie
WTF oder einer der Kategorie "Wie bitte soll man den denn finden?" ist?
Software ist in der Regel komplex. Es gibt gute Gründe, wieso so viele Softwareprojekte scheitern oder Budget und Zeit deutlich überschreiten. Diese Gründe sind nicht nur im Management zu suchen, sondern zu einem gewissen Teil auch einfach in den hohen Anforderungen der Aufgabe.
Wie leicht Fehler passieren, sieht man zum Beispiel auf der
Seite des Instituts von Herr Reifner selbst. Sucht man nach einem Hochkomma ('), gibt die Suche nur noch einen "Error: Any Error." aus. Das ist im konkreten Fall nicht weiter tragisch, aber in einer sicherheitskritischen Struktur wie einer Kreditkarte würde das wohl einem nicht ausführbaren Zahlungsprozess entsprechen. Und durch die Eingabe von drei bestimmten Zeichen (die ich jetzt hier nicht aufführe) kann man sogar für einige Sekunden den ganzen Server lahmlegen.
"Das Finanzinstitut hätte die Website doch testen müssen", sagt Informatiker Fett: "Das sind Primitivfehler." Versteht mich nicht falsch: Der Fehler kann durchaus primitiver Natur sein und vermutlich existiert da auch eine Lücke im Qualitätsmanagement. Aber solange keine detaillierten Informationen vorliegen, sollte man sich doch mit Urteilen zurückhalten.