Lehrjahre sind keine Herrenjahre und von einem Berufspraktikum hat man so etwas sowieso nicht zu erwarten. Erst recht dann nicht, wenn es sich um das in der 9. Klasse anstehende Schulpraktikum handelt.
Mangels anderer Möglichkeiten habe ich mich damals in besagter Klassenstufe bei
STS-Netzwerke in Saarlouis beworben, mit dem Ziel, etwas Luft aus dem Bereich der Computernetze zu schnuppern. Der Versuch ist grandios fehlgeschlagen.
Als es nach der erfolgreichen Bewerbung hieß, dass es vielleicht nicht so viel mit Netzwerken zu tun gäbe, dachte ich noch: Okay, kommt vor. Als Praktikant habe ich ja sowieso nicht viel erwartet.
Tag 1: Ein ordentlich bekleideter Praktikant betritt das Gebäude. Handwerker wuseln herum, offensichtlich wird irgendetwas im hinteren Bereich des Gebäudes und im Garten umgebaut. Ich melde mich bei der Sekretärin, die mich mit "Ja, geh schon mal zu den anderen in den Garten" abserviert. Ihrem Rat folgend bahne ich mir etwas irritiert den Weg über einen staubigen Flur in den Garten und tauche suchenden Blickes dort auf. Keine Netzwerktechniker, nur Handwerker.
Wenige Minuten später stelle ich fest, dass ich absolut overdressed bin, dass ich die kommenden 10 Tage zu der Gruppe der Bauarbeiter dazugehören werde und verbuddele ein Rohr im Garten.
Zweckoptimistisch vermutete ich, dass die Arbeit im Garten und an der Terrasse nur eine Zwischenbeschäftigung sei, bis es richtig losginge. Ich wurde enttäuscht: Bis auf zwei maximal halbtägige "Ausflüge" zu Kunden, bei denen es in der Tat interessante Sachen zu sehen gab, bestand meine Arbeit aus Tätigkeiten wie
- Einen alten Schirmständer aus dem Boden ausgraben.
- Kabel und Leitungen im neu entstehenden Garten verlegen
- Dachlatten zersägen von denen nachher festgestellt wurde, dass man sie noch hätte brauchen können.
- Aus den noch lebenden Dachlatten Nägel entfernen und sie sinnlos herumtragen, damit nachher jemand feststellt, dass man mit ihnen eigentlich nichts mehr anfangen kann.
- Platten von der Rückseite des Hauses entfernen und verladen. Ich gehe heute davon aus, dass es sich um Asbestplatten handelte, überprüft habe ich das nicht, genausowenig wie wo sie entsorgt wurden. Sowas wie einen Atemschutz existierte trotz der Unmengen von Staub, die beim Verladen aufgewirbelt worden sind, nicht.
- Diverse Aufgaben des Gartenbaus. Ausgraben, umgraben, eingraben, wegschaufeln, zukippen.
- Lager aufräumen. Meine favorisierte Tätigkeit ("kleinstes Übel") und das, was noch am ehesten im Rahmen eines Praktikatenjobs gelegen hätte.
Tja, und als ich am letzten Tag den Chef der Firma während des Ausfüllens meines Praktikumsberichtes dabei beobachten durfte, wie er sich bei einfachen Tätigkeiten am Computer (Entpacken von zip-Dateien) wirklich schwer getan hat, war das ein bisschen Genugtuung für mich. Seine Sprüche, die er dabei auch über mich losgelassen hat, wiederhole ich hier mal nicht.
Mein Tipp: Es gibt wirklich viele Firmen im Saarland und auch in der Umgebung von Saarlouis, die gut für ein Schulpraktikum geeignet sind. Wenn sich bei STS-Netzwerke jedoch nicht inzwischen etwas im Umgang mit ihren Praktikanten geändert hat, kann ich nur jedem Schüler empfehlen, davon fernzubleiben. Vielleicht machen sie ihr Geschäft ja wirklich gut und sind ihre Mitarbeiter (mit denen ich wie gesagt zwei (!) mal unterwegs war) auch freundlich, aber mein Praktikum dort war absolut überflüssig.
Dass es das nicht sein muss, hat mir ein paar Jahre später
netmedia bewiesen.